Digitale Nomaden: Wenn die Welt ruft

Dass sich die digitale Technologie mit erstaunlichem Tempo entwickelt, erleben wir tagtäglich. Spätestens dann, wenn uns die Betriebssysteme unserer PCs und Laptops mit neuen Features erfreuen, dafür aber auch mehr Fest- und Arbeitsspeicher fordern. Oder unsere Programme und Apps für optimale Leistung auch gerne einen superschnellen Prozessor hätten.
Wie sehr sich durch die technologische Entwicklung nicht nur Hard- und Software, sondern auch unser Alltag verändern kann, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Stichwort ‚digital nomads’.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass Arbeit am Arbeitsplatz stattfand. Wo auch sonst? Berufstätige Eltern verausgabten sich damit, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Und ein beträchtlicher Teil der Belegschaft verbrachte morgens und abends wertvolle Zeit im Stau.

Die Pandemie als Beschleuniger

Wurde der Berufsverkehr noch leise fluchend ertragen, reifte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu einem ernsthaften Bedürfnis heran, dem sich Arbeitgeber zu stellen hatten. Dass die Arbeit im Homeoffice überraschend schnell zur neuen Normalität wurde, ist allerdings weniger den progressiven Personalern als einem Virus zu verdanken.

Doch inzwischen sind wir längst einen Schritt weiter, zumindest diejenigen, die gestern noch ‚digital natives’ waren. Die ein Leben ohne Internet nie erlebt haben – und sich das auch nicht so recht vorstellen können. Wenn man seine Arbeit denn – anerkanntermaßen – aus dem heimischen Wohn- oder Schlafzimmer erledigen kann, dann geht das auch aus dem Café um die Ecke.

Wenn Berlin geht – dann geht auch Bangkok

Warum also nicht im Rahmen eines verlängerten Wochenendes in Berlin oder München? Oder eines längeren Aufenthaltes in Lissabon? Als Programmierer, Entwickler, Designer nicht wirklich ein Problem. Oder als Texter, Redakteur, Foto-Editor. Oder Recruiter, Consultant, Coach. Leben und arbeiten als digitaler Nomade. Hauptsache Laptop, Ladekabel und schnelles Internet. Und ein bezahlbares Dach über dem Kopf. Und ansonsten viel Freiheit.

Dass es sich bei den digitalen Wanderarbeitern nicht um eine exotische kleine Minderheit handelt, macht eine Auswertung von 4000 Studien und Umfragen des Portals abrotherabroad.com deutlich. Demnach liegt die Zahl der digitalen Nomaden weltweit bei 35 Millionen, Zuwachsrate zweistellig. Als Land würde diese Gruppe auf Position 41 der Bevölkerungs-Rangliste rangieren, dicht hinter Kanada und Marokko.

Im Durchschnitt sind sie 40 Jahre alt, aber der mit 47 Prozent größte Anteil von ihnen ist in den Dreißigern. Im Durchschnitt verdienen sie nicht weniger und arbeiten nicht länger als in ihrem alten Arbeitsleben.

Wichtig: Niedrige Kosten, schnelles Internet

Dafür lernen sie viel Neues kennen. Die überwiegende Mehrheit (66 %) bleibt drei bis sechs Monate an einem Ort, wobei Mexiko, Thailand und Portugal die beliebtesten Gastländer sind. Wesentliche Entscheidungsfaktoren für das Gastland sind niedrige Lebenshaltungskosten und schnelle Internetverbindungen. Der wichtigste Grund für eine Rückkehr in die Sesshaftigkeit ist Einsamkeit.

Es liegt in der Natur der Sache, dass digitale Nomaden hervorragend online vernetzt sind. Im Internet haben sich inzwischen mehrere große Portale etabliert, die auf die Bedürfnisse und Belange dieser Gruppe zugeschnitten sind. Zur Vernetzung untereinander, mit Familie, Bekannten und Freunden tragen herkömmliche Messenger-Dienste maßgeblich bei. Für berufliche Zwecke und sensible Inhalte sind allerdings spezielle Lösungen wie der ownChat-Messenger allein aus juristischen Gründen dringend angeraten.

Digitale Vernetzung – da fehlt etwas

Doch es hat sich auch gezeigt, dass die digitale Vernetzung allein das menschliche Bedürfnis nach Gesellschaft und Gemeinsamkeit nicht befriedigt. Sogenannte Coworking Spaces haben deshalb an Zulauf gewonnen, geschätzt als Alternative sowohl zum Hotelzimmer oder Café in der Ferne als auch zum Homeoffice daheim. Weil sich hier in Ruhe, aber gleichzeitig in Gemeinschaft mit anderen arbeiten lässt.

Fast so wie damals im Büro. Nur halt, wenn man möchte, ganz weit weg.

Foto: Engin Akyurt/pixabay