Digitalisierung im Alltag: Eigenverantwortung gefragt

„Verbindung zum Server nicht möglich.“ In den meisten deutschen Haushalten löst die Nachricht „Internet ist weg“ gelinde gesagt Panik aus. Plötzlich wird deutlich, wie intensiv unser real existierender Alltag verflochten ist mit der virtuellen digitalen Welt. Mal eben E-Mails checken? Eine kurze Nachricht an die Kinder oder Eltern, die Freundin oder den Freund schicken? Eine Frage klären, eine Rechnung bezahlen, etwas bestellen – oder einfach mal schauen, was es so Neues gibt? Ganz Wichtiges lässt sich wahrscheinlich per Smartphone über mobile Daten regeln. Aber wenn Browser und E-Mail-Programm auf dem PC oder Mac stumm bleiben, ist das schon beunruhigend.

Corona hat Online-Zeit deutlich erhöht

Inzwischen ist belegt, was viele bereits vermutet haben: Corona hat unsere ständig zunehmende Online-Zeit noch mal deutlich erhöht. Laut Digitalstudie 2021 der Postbank verbringen wir Deutschen mittlerweile 65 Stunden pro Woche im Netz. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um satte 15 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Beschäftigten in Vollzeit belief sich 2019 in Deutschland auf gut 38 Stunden.

Dass Internetnutzung und Schutz der Privatsphäre ein recht gespanntes Verhältnis zueinander haben, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Mit der Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, versucht der Gesetzgeber auf EU-Ebene, Grundrechte und -freiheiten der Bürger insbesondere in Bezug auf persönliche Daten zu schützen. Eine alltägliche kleine Erinnerung liefern die Hinweise auf die vergleichsweise harmlose Cookie-Nutzung, die Webseiten dank DSGVO geben müssen.

Verschwörungstheorien und Hass im Netz

Ob gesetzliche Maßnahmen aber tatsächlich mit der Entwicklung des Online-Angebots und dem Nutzerverhalten Schritt halten können, darf bezweifelt werden. Für Aufsehen – auch in der Politik – sorgte vergangenen Herbst eine breit angelegte Recherche des Wall Street Journals über das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook.

Kurzgefasst: Das Unternehmen wisse sehr wohl, dass es Nutzer und insbesondere junge Nutzerinnen schädigt, Informationen manipuliert und die Verbreitung von Verschwörungstheorien und Hass im Netz fördert. Im Rahmen einer Anhörung im US-Senat ließ die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen keinen Zweifel aufkommen: „Die Firmenleitung weiß, wie sie Facebook und Instagram sicherer machen kann, leitet aber die notwendigen Änderungen nicht ein, weil sie ihre astronomischen Profite vor das Wohl der Menschen stellt.“ Dazu Senator Dan Sullivan: „Ich denke wir werden in 20 Jahren zurückblicken und uns alle fragen ‚was zum Teufel haben wir uns damals gedacht’, wenn wir den Schaden erkennen, den sie (die sozialen Medien) an einer Generation angerichtet haben.“

Trend zu digitalem Fasten

Wir bei beyondSoft meinen: Gesetzliche Regelung ist gut, aber hier ist auch Eigenverantwortung gefragt. Als Online-Nutzer sollten wir nicht darauf warten, dass Bildschirme irgendwann – wie Zigaretten oder Glücksspiele – von Warnhinweisen begleitet werden: Achtung: Suchtgefahr! Wir sollten uns vielmehr selbst verstärkt in die Pflicht nehmen, die Vorzüge der Online-Kommunikation verantwortungsbewusst zu nutzen. Die oben genannte Postbank-Studie meint, einen Trend zu digitaler „Entgiftung“ oder zu digitalem „Fasten“ zu erkennen.

Beliebte Passwörter 2021

Dass bei der Eigenverantwortung jedoch durchaus noch Luft nach oben ist, hat die neueste Untersuchung des Hasso-Plattner-Instituts der Universität Potsdam zu den beliebtesten Passwörtern 2021 kürzlich wieder gezeigt. Die Hitliste hat sich gegenüber den Vorjahren nur unwesentlich verändert:

  1. 123456
  2. passwort
  3. 12345
  4. hallo
  5. 123456789
  6. qwertz
  7. schatz
  8. basteln
  9. berlin
  10. 12345678-

Wie wir als Internet-Nutzer mit einfachen Mitteln die Sicherheit unserer Daten verbessern können, haben wir in einem früheren Blog-Beitrag  zusammengefasst.

Bei uns Anbietern sollte die Eigenverantwortung noch deutlicher ausgeprägt sein. Eine App wie unser Messenger ownChat muss nicht im Hintergrund Daten sammeln, um erfolgreich zu sein. Viele Apps müssen überhaupt recht wenig über den Nutzer wissen, um hervorragend zu funktionieren.

Es liegt in der Eigenverantwortung der Anbieter, den Preis deutlich zu machen, den Nutzer für ‚kostenlose‘ Software tatsächlich zahlen. Damit verantwortungsbewusste Nutzer entscheiden können, dass eine gute, saubere Software einen fairen Preis wert ist.

(Foto: Gerd Altmann/pixabay)