Es gibt nicht nur den einen … Messenger

Was Instant-Messenger im Vergleich zu WhatsApp leisten und wie sicher sie sind

Millionen Menschen nutzen WhatsApp. Warum? Der Messenger-Dienst ist kostenlos zu haben und einfach zu bedienen. Man kann mit WhatsApp einzeln und in Gruppen chatten, Bilder und Videos versenden und sogar telefonieren. Aber die App mit dem grün-weißen Logo ist nicht unumstritten. Datenskandale beim Mutterkonzern Facebook und die Tatsache, dass hier nur chatten darf wer seine persönlichen Daten preisgibt, haben viele Nutzer verunsichert. Datenschützer warnen schon lange vor dem Messenger aus dem US-Konzern. Und mit Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Jahr 2018 ist der Einsatz von WhatsApp für Unternehmen zumindest mehr als fragwürdig.

Dabei muss es nicht immer WhatsApp sein. Es gibt Alternativen, mit denen sich einfach und vor allem datenschutzkonform kommunizieren lässt. Einige Beispiele:

Threema
Der Schweizer Messenger Threema ist zwar nicht kostenlos, aber werbefrei. Rund drei Euro je nach Anbieter kostet die einmalige Nutzungslizenz. Dafür kann Threema völlig anonym – also ohne personenbezogene Angaben – genutzt werden.

Alle Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und können nur vom Empfänger gesehen werden. Das gilt auch für Gruppenchats, Dateien, Fotos, Videos und Sprachanrufe. Ein weiteres Sicherheitsmerkmal: Der Server des Dienstes befindet sich in der Schweiz und unterliegt somit den strengen Regeln des europäischen Datenschutzes.

Signal
Der Messenger Signal, dem auch der Whistleblower Edward Snowden vertraut, ist kostenfrei für iOS und Android und auch als Desktop-Variante zu haben. Man kann mit Signal nicht nur chatten, sondern auch Bilder und Videos verschicken oder Sprach- und Videoanrufe tätigen. Das Telefonbuch der Nutzer wird nicht im Klartext auf die Server der Betreiber geladen. Nutzerprofile sind verschlüsselt. Ein Passwortschutz kann eingerichtet werden.

Signal-Nachrichten und -Annrufe sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Dabei kommt das von Experten als sicher erklärte Signal-Protokoll zum Einsatz. Die Anwendung wurde unter Open Source-Lizenz veröffentlicht. So können Fachkundige die Sicherheit der Verschlüsselung jederzeit überprüfen.

Telegram
Firmensitz des Messenger-Dienstes Telegram der Brüder Nikolai und Pawel Durow ist in Deutschland. Chats werden entweder über eine Server-Client-Verschlüsselung oder in den „Geheimen Chats“ Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Auch gibt es die Möglichkeit, dass sich Nachrichten automatisch selbst zerstören.

Um den Zugang zur App vor Unbefugten zu schützen, kann ein vierstelliger PIN-Code eingerichtet und ein zusätzliches Passwort festgelegt werden. Auch bei Telegram ist der Quellcode des Programms öffentlich zugänglich, sodass die Sicherheit der Verschlüsselung von Experten gegengecheckt werden kann.

Dass Datenschutz bei Telegram nicht an erster Stelle steht, ist spätestens seit der Protestbewegung in Hongkong klar, bei der die Aktivisten auf die Sicherheit des Messengers vertrauten und feststellen mussten, dass der Messenger längst nicht so sicher ist wie angenommen.

Hoccer
Hoccer wurde von der deutschen Firma Hoccer Betriebs GmbH entwickelt und ist für iOS und Android erhältlich. Für private Nutzer ist Hoccer kostenlos.

Die Server stehen in Deutschland, unterliegen deshalb dem deutschen Datenschutz. Nachrichten werden nur so lange gespeichert, bis sie beim Empfänger angekommen sind. Die App nutzt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Hoccer gilt als besonders datensparsam, da weder die Telefonummer noch andere persönliche Daten des Nutzers benötigt werden.

Eine Besonderheit bei Hoccer ist der Geo-Locations-Service „Nearby“, der anonymes Chatten mit Hoccer-Nutzern im Umkreis von 100 Metern möglich macht. Diese Funktion kann jedoch deaktiviert werden.

ownChat

Nicht für den privaten Bereich, sondern ausschließlich für Unternehmen und Organisationen ist der Messenger ownChat konzipiert. Er wurde für die Sozialwirtschaft und den Umgang mit personenbezogenen Daten entwickelt und gilt deshalb als besonders sicher. Hinter ownChat steht der deutsche beyondsoft GmbH; die Server befinden sich in Deutschland und unterliegen dem strengen deutschen Datenschutz.

ownChat ist wie Threema nicht kostenlos zu haben, dafür aber werbefrei und nur seinen Nutzern verpflichtet. Datenschutz und Datensicherheit haben oberste Priorität.

Der Messenger benötigt weder Zugriff auf das Adressbuch noch auf den Standort. Auch muss keine Telefonnummer preisgegeben werden. Die Datensicherheit wird mit einer Anmeldung mit Benutzernamen und Passwort, einem zusätzlichen zehnstelligen Zahlen- und Buchstabencode sowie einem sicheren Speicherort der Daten in einer eigenen abgeschlossenen Datenbank gewährleistet.

ownChat ist als App sowohl für Android als auch iOS erhältlich und steht auch als Desktop-Version zur Verfügung.

(Foto: Chris Sansbury/pixabay.com)