WhatsApps neue AGB sorgen für Diskussion: Gehören meine Daten noch mir?

Dass Unternehmen ihre AGB aktualisieren, ist nichts Ungewöhnliches. Was aber der Messengerdienst WhatsApp seinen Nutzern per Pop-up Anfang Januar zum Abnicken vorgelegt hat, hat schon für einige Aufregung gesorgt. Weil dem Kleingedruckten zu entnehmen ist, dass man bestimmte Userdaten auch weiteren Mitgliedern der Firmengruppe zur Verfügung stellen werde. Also allen voran der Muttergesellschaft Facebook und der Schwester Instagram. Aber auch „vertrauenswürdigen Drittanbietern“.

Zunächst hieß es, die Regelung gelte für alle Benutzer. Also auch für diejenigen, die gar nicht bei Facebook, geschweige denn bei „vertrauenswürdigen Drittanbietern“ angemeldet sind. Und zwar zwingend. Eine Wahl – die Möglichkeit eines sogenannten Opt-outs – haben User nicht. Wer bis zum 15. Mai 2021 (zunächst war vom 8. Februar die Rede; die Frist wurde vom Diensteanbieter jedoch verlängert) nicht zustimmt, darf in Zukunft auf den Messenger verzichten.

Entwarnung für Europa, aber ….

Entwarnung für WhatsApp-Nutzer in der Europäischen Union einschließlich Großbritannien folgte wenige Tage später. Doch so richtig glücklich macht die in Heise online zitierte Formulierung einer Facebook-Sprecherin nicht: „WhatsApp teilt keine Nutzerdaten mit Facebook, damit Facebook diese Daten zur Verbesserung seiner Produkte oder von Anzeigen nutzen kann.“ Sondern?

Auch ohne Datenweitergabe ist der weitverbreitete Messengerdienst stark umstritten und im Berufsumfeld in aller Regel tabu. Das fängt damit an, dass WhatsApp bei der Registrierung die Handynummer des Nutzers wissen will. Eine Identifizierung und Erreichbarkeit ließe sich auch problemlos über eine anonymisierte oder verschlüsselte Kennung sicherstellen. Ähnliches gilt für die E-Mail-Adresse: Die Hinterlegung ist nicht unüblich, aber keineswegs notwendig.

Die Handy-Nummer als persönliche Seriennummer

Man mag sich die Frage stellen, was denn daran so schlimm ist, dass WhatsApp die eigene Handynummer kennt. Die Antwort wird klarer, wenn man sich die Handynummer als persönliche ID-Nummer vorstellt.

Zur Anmeldung bei einem Online-Dienstleister kann man sich bequem eine kostenlose E-Mail-Adresse anlegen, die Rückschlüsse auf die eigene Person zumindest schwieriger macht. Die eigene Handnummer begleitet einen jedoch idealerweise ein Leben lang. Mit ihrer Hinterlegung werden alle Daten, die ein Online-Dienstleister sammelt, nicht einem anonymen Nutzer, sondern ganz konkret dem Handybesitzer zugeordnet. Versteht sich, dass sich solche Daten aus den unterschiedlichsten Quellen ganz einfach miteinander vernetzen lassen.

Adressen von Freunden und Bekannten

Die gute Nachricht vorab: WhatsApp verleibt sich zwar automatisch die Namen und Telefonnummern des kompletten Adressbuchs der Nutzer ein – eine Tatsache, die sensibleren Zeitgenossen die Haare zu Berge stehen lassen. Weil damit auch Namen und Handynummern (sprich persönliche IDs, siehe oben) von Freunden und Bekannten bei WhatsApp landen, die das absolut nicht wollen. Aber diese Adressbuchdaten werden angeblich nicht weitergegeben.

Trotzdem liest sich das, was zwischen WhatsApp und Facebook ausgetauscht wird, in den FAQ des Messengers ganz eindrucksvoll: Facebook nutzt

  • „die Telefonnummer, die du bei der Registrierung für WhatsApp verifiziert hast, einige Geräteinformationen (Gerätekennung, Betriebssystemversion, App-Version, Plattforminformation, Ländervorwahl der Mobilnummer, Netzwerkcode sowie Markierungen, die es erlauben, deine Zustimmung zu Aktualisierungen und Steuerungsoptionen nachzuverfolgen) und einige deiner Nutzungsinformationen (wann du WhatsApp zum letzten Mal genutzt hast, wann du deinen Account registriert hast, sowie die Art und Häufigkeit deiner Nutzung von Features)…“.

Hinzu kommen

  • „Informationen, anhand derer Facebook und die anderen Facebook-Unternehmen feststellen können, ob ein bestimmter WhatsApp-Benutzer auch andere Produkte von Facebook-Unternehmen verwendet.“

Genug Informationen für aussagekräftige Profile

Nochmal die gute Nachricht vorab: Die Inhalte, die WhatsApp-Nutzer in ihren Chats miteinander austauschen, werden verschlüsselt übertragen. Damit dürften sie gegen fremde Einsicht recht gut geschützt sein. Aber wer wann wie oft mit wem in welchen Gruppen oder losen Netzwerken kommuniziert, Firmen oder Institutionen besucht oder ihnen folgt – das lässt sich für einen Dienstbetreiber recht gut darstellen und zu Profilen verdichten.

Aber was uns so interessiert und bewegt, das geben viele von uns ja freiwillig preis. Ganz offensiv auf Facebook oder auf Instagram. Etwas weniger offensichtlich, aber dafür noch viel eindrucksvoller, auf Google.

Wer sich dort registriert hat – um auf persönliche Bedürfnisse zugeschnittene Suchergebnisse oder Nachrichten zu erhalten – kann sich die eigene Suchhistorie in den „Aktivitätseinstellungen“ zu Gemüte führen. Und dabei ganz nebenbei die eigenen Interessen und Befindlichkeiten der vergangenen Monate und Jahre Revue passieren lassen.

Eine Suche nach „Kühlschrank defekt“ mag harmlos sein, die Frage nach „Hautarzt Köln“ ist da schon interessanter. Dort findet man dann auch säuberlich aufgelistet, welche Artikel man sich auf Google News angesehen und welche Strecken auf Google Maps hat anzeigen lassen. Welche Videos man sich auf YouTube angesehen hat, weiß Google ohnehin, gehören die beiden Firmen doch zusammen.

Durchschaubar – und damit manipulierbar

Die Diskussion um die Aktualisierung der WhatsApp-AGBs hat ihr Gutes: Sie wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die Mühe, die es kostet, im Internet-Zeitalter nicht zum gläsernen Menschen zu werden. Der durchschaubar und damit manipulierbar ist.

Nicht nur vergleichsweise harmlos mit maßgeschneiderter Werbung. Sondern zum Beispiel durch vorselektierte Suchergebnisse auf Google, vorselektierte Videos auf YouTube und vorselektierte Posts auf Facebook. Die bestehende Meinungen und Vorurteile bestärken, Vielfalt ersticken und unsere persönliche Bubble immer kleiner werden lassen.

Einem gläsernen Menschen zudem, der WhatsApp ganz nebenbei eine Liste der Freunde und Bekannten zur Verfügung stellt.

Nicht mit uns

Wir bei ownChat sehen diese Entwicklung sehr kritisch. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, unseren Kunden einen leistungsfähigen Messenger zur Verfügung zu stellen. Mit dem ein Arzt vertraulich mit einem Patienten, ein Betreuer bedenkenlos mit einem Klienten oder ein Lehrer sorglos mit Eltern kommunizieren kann.

Bei ownChat gibt es kein Data Mining, (d.h. die systematische Suche in vorhandenen Datenbeständen nach Muster, Trends oder Zusammenhängen) und auch keine Werbung. Dafür bezahlen unsere Nutzer einen fairen Preis. Weil sie unsere Überzeugung teilen: Auch im Internet-Zeitalter gehört meine Privatsphäre mir.

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(Foto: Pixabay)